Kurz gesagt: Nikotin und Teer lagern sich als klebriger Film auf allen Oberflächen ab und dringen in saugende Materialien ein. Entfernt wird der Geruch nur, wenn dieser Film abgewaschen, stark belastetes Material ausgebaut und der Rest isoliert oder oxidativ neutralisiert wird.
Warum Lüften und Streichen nicht reichen
Tabakrauch besteht aus tausenden Verbindungen. Ein Teil davon ist fettlöslich und legt sich als dünner, klebriger Film auf Wände, Decken, Möbel und Innenseiten von Schränken. Ein anderer Teil zieht in saugende Materialien ein: Raufasertapete, Gipsputz, Estrich, Teppichrücken, Silikonfugen, sogar Türblätter.
Lüften tauscht die Raumluft aus. Die Quelle bleibt und gibt kontinuierlich nach. Deshalb riecht eine Wohnung nach dem Lüften kurz besser und am nächsten Morgen wieder wie zuvor.
Beim Streichen passiert etwas Ähnliches: Normale Dispersionsfarbe ist diffusionsoffen. Sie schliesst nichts ein. Nach einigen Wochen wandern die Rückstände durch die neue Schicht, oft sichtbar als gelblich-braune Flecken an Decke und über Heizkörpern.
Wo der Geruch tatsächlich sitzt
| Bereich | Belastung | Konsequenz |
|---|---|---|
| Decke, Wandflächen | Sehr hoch, Rauch steigt auf | Waschen, dann Sperrgrundierung |
| Raufaser- und Strukturtapete | Sehr hoch, stark saugend | Meist Entfernung nötig |
| Teppichboden | Sehr hoch, speichert dauerhaft | In der Regel Austausch |
| Silikon- und Dehnfugen | Hoch, oft übersehen | Herausschneiden und neu setzen |
| Rollladenkästen, Schrankinnenseiten | Hoch, wird selten gereinigt | Öffnen und mitreinigen |
| Heizkörper, Lüftungsgitter | Mittel bis hoch | Demontieren und reinigen |
Die häufigste Ursache für einen misslungenen Versuch ist, dass eine dieser Stellen ausgelassen wurde. Eine einzige unbehandelte Fläche versorgt den Raum weiter mit Geruch.
Die Wohnungsübergabe: hier wird es teuer
Der kritischste Fall ist die Übergabe einer Raucherwohnung. Rechtlich gilt: Rauchen an sich ist vertragsgemässer Gebrauch. Entscheidend ist, ob die Spuren mit normalen Schönheitsreparaturen zu beseitigen sind. Reicht Streichen nicht mehr aus, weil Geruch und Verfärbung durchschlagen, entsteht Sonderaufwand.
Praktische Konsequenzen für beide Seiten:
- Vor Beginn dokumentieren: Fotos, Datum, betroffene Flächen. Ohne Bestandsaufnahme wird jede spätere Diskussion zur Behauptung gegen Behauptung.
- Nicht vorschnell streichen: Wer ohne Vorbereitung überstreicht, hat nach Wochen Flecken und muss zweimal zahlen.
- Reihenfolge einhalten: Erst reinigen und ausbauen, dann grundieren, dann streichen. Umgekehrt ist die Arbeit verloren.
- Leerstand nutzen: In der leeren Wohnung ist jede Fläche zugänglich. Nach Möblierung steigen Aufwand und Kosten deutlich.
Wie wir vorgehen
- Bestandsaufnahme: Wir prüfen alle Flächen inklusive Rollladenkästen, Fugen und Schrankinnenseiten und halten den Zustand fest.
- Ausbau: Was den Geruch dauerhaft speichert und nicht zu retten ist - Teppich, stark belastete Tapete, alte Fugen - wird entfernt.
- Reinigung: Der Nikotinfilm wird von allen verbleibenden Oberflächen abgewaschen. Dieser Schritt entscheidet über das Ergebnis.
- Neutralisierung: Verbliebener Restgeruch in Putz und Raumluft wird mit Ozon behandelt, das die Geruchsmoleküle zerstört statt sie zu überdecken.
- Abschluss: Bei Bedarf isolierende Sperrgrundierung, danach Freigabe des Raums.
Warum Ozon hier funktioniert: Anders als bei Urin ist Rauchgeruch kein Quellenproblem im Untergrund, sondern eine Ablagerung an erreichbaren Oberflächen. Ist der Film abgewaschen und belastetes Material ausgebaut, erreicht Ozon den Rest zuverlässig. Ohne die vorherige Reinigung ist auch Ozon nur ein teurer Zwischenschritt.
Häufige Fragen
Reicht es, nur die Decke zu behandeln?
Selten. Die Decke ist am stärksten belastet, aber Wände, Fugen und Einbauten geben weiter Geruch ab. Teilbehandlungen führen fast immer zu einem enttäuschenden Ergebnis.
Muss die Tapete immer runter?
Nicht immer. Glatte, gestrichene Flächen lassen sich oft waschen und grundieren. Raufaser und stark strukturierte Tapeten sind dagegen so saugfähig, dass Entfernen meist der günstigere Weg ist.
Können Möbel bleiben?
Polstermöbel und Matratzen speichern Rauch stark und sind oft die verbleibende Geruchsquelle in einer sonst sauberen Wohnung. Sie müssen separat behandelt oder ersetzt werden.
Wie lange ist die Wohnung nicht nutzbar?
Das hängt vom Umfang ab. Während einer Ozonbehandlung darf sich niemand im Raum aufhalten, danach wird gelüftet und die Konzentration vor der Freigabe kontrolliert.
Übergabe steht an?
Schildern Sie kurz die Lage - Grösse, Bodenbelag, wie lange geraucht wurde, wann der Termin ist. Sie erhalten eine ehrliche Einschätzung, was nötig ist und was Sie sich sparen können.
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